Manfred Hellrigl

Hast du heute schon getanzt?

Toke ist ein Krieger.

Ein Nachfahre der Wikinger.

Ich habe ihn 2010 bei einem Art of Hosting-Training in Aarhus, Dänemark, kennengelernt. 

Seine körperliche Erscheinung, sein Charakter und seine Präsenz sind beeindruckend.

Allein der Gedanke an ihn lässt mich schon ein wenig wacher und präsenter werden.

Bei einem Art of Hosting-Training lernt man, einen Raum für gute Gespräche zu schaffen und zu halten. Die Trainings dauern in der Regel mehrere Tage und beginnen morgens – noch vor dem Frühstück – mit unterschiedlichen Formen der Morgenpraxis. 

Toke lädt jeden Morgen zum Aikido-Training ein und bringt dafür einen Sack voller Holzschwerter mit. 

Immer wieder – und ich habe im Lauf der Jahre einige solcher Trainings mit Toke absolviert – übt man dieselbe einfache Übung: Jemand greift an, und du parierst den Angriff.

Anfangs verstand ich nicht, warum Toke diese Morgenpraxis so wichtig ist und was sie mit der Kunst, Gastgeber für gute Gespräche zu sein, zu tun hat. 

Noch mehr Möglichkeiten!

Aber irgendwann hat es bei mir „Klick“ gemacht – nicht rational, sondern auf einer tieferen, fast körperlichen Ebene.

Ah. Ja genau! So kann man auch mit Energie umgehen!

Mir wurde bewusst, dass es noch mehr Möglichkeiten gibt als Kampf oder Flucht (oder Sich-tot-stellen). 

Ist das nicht erstaunlich? Kannst du erahnen, was das heißt? 

Was wäre, wenn wir allen Hindernissen, Schwierigkeiten, Sorgen, Ängsten, Problemen, Krisen und Katastrophen auf diese Weise entgegentreten könnten? Wenn wir Blech in Gold verwandeln könnten? Wenn wir Unangenehmes in etwas Höherwertiges umwandeln und veredeln könnten?

Ein Wandel der inneren Haltung

Können wir lernen, die Welt mit anderen Augen zu sehen? Das wäre ein wirklicher Paradigmenwechsel: Ein grundlegender Wandel unseres Selbst- und Weltverständnisses. Es würde bedeuten, eine andere Haltung dem Leben gegenüber einzunehmen. 

Plötzlich ginge es nicht mehr darum, Schwierigkeiten zu ignorieren, ihnen auszuweichen, vor ihnen zu flüchten oder sie zu bekämpfen.

Sondern: Wach und aufmerksam zu sein für das, was uns begegnet. 

Keine ängstliche, sondern eine entspannte, offene, neugierige Aufmerksamkeit kultivieren – fast spielerisch. 

Diese Aufmerksamkeit würde uns in die Lage versetzen, nicht nur zu sehen, was ist, sondern auch damit zu experimentieren. 

Wir könnten mit der uns begegnenden Energie in Tuchfühlung gehen, sie berühren und spüren, Nähe zulassen, um sie dann – sanft, aber bestimmt – umzulenken.

Nicht mehr gegen das, was ist, anzukämpfen. 

Es da sein lassen. 

Und statt zu kämpfen, mit ihm tanzen.

Mit dem Leben tanzen!

Was für eine andere Weltbeziehung! Erwartungsangst verwandelt sich -ganz spontan und mühelos – in Neugier, Offenheit, Spontaneität und Freude an der Interaktion. 

Jede Begegnung wird zu einer Gelegenheit. 

Was kommt mir da entgegen? Was ist das für eine Kraft und Energie? Wo will sie hin? Wie stelle ich mich ihr gegenüber auf? Wie kann ich von ihr lernen? Wie kann ich an ihr wachsen?

Das Leben wird vielmehr zu einer Einladung, ein waches, entspanntes, einfühlsames Bewusstsein zu entwickeln. Ein gutes Verhältnis zu den Energieströmen zu entwickeln, die mir begegnen.

 

Bist du heute schon gesessen? 

Hast du heute schon getanzt?