Den Geist sammeln. Allein oder in der Gruppe.

Zen-Mönche sind bekannt dafür, dass sie täglich meditieren. Und nicht nur das: zusätzlich dazu treffen sich sich, meist einmal im Monat, um gleich mehrere Tage am Stück zu meditieren. Alle anderen anfallenden Arbeiten im Kloster werden dann auf ein Minimum reduziert. Weil ihnen das Gelegenheit gibt, den Geist zu sammeln.

Dieses Sammeln des Geistes stelle ich mir gerne wie eine Schale vor, in die man langsam kostbaren Tee eingießt. Die einzelnen Tropfen des Tees sammeln sich am Boden und bilden dann eine größer werdende Pfütze. 

So ein gesammelter, entspannter, konzentrierter Geist ist eine feine Sache. Es fühlt sich nicht nur gut an, sondern veredelt und bereichert unser ganzes Tun und Sein, ganz egal, was wir machen.

Einfach einmal innehalten und nichts tun

Man muss kein Zen-Mönch sein, um seinen Geist zu sammeln. Wir alle können uns gelegentlich Zeit dafür nehmen, uns entspannt hinsetzen und uns fokussieren. Alles andere mal für ein Weilchen ruhen lassen. Einfach mal nichts tun, innehalten, still sein, so dass sich unser zerstreuter Geist sammeln kann. 

Anstatt sich ständig von irgendwelchen Dingen ablenken zu lassen, anstatt ständig gehetzt von einem zum nächsten zu springen, können wir auf diese Weise für einen Moment und in Ruhe betrachten, wo wir uns befinden. In welchem Zustand befinde ich mich jetzt gerade? Körperlich und geistig. Warum ist das so? Was hat mich eigentlich dorthin geführt, wo ich gerade bin? Wo wollte ich eigentlich hin?

Indem wir uns immer wieder mal eine kleine Auszeit gönnen, können wir unsere Aufmerksamkeit auf uns selbst richten. Uns selbst Zuwendung schenken und ganz einfach und ohne großen Aufwand ein klein wenig mehr Ruhe, Klarheit, Entschlossenheit und inneren Frieden finden.

Allein oder gemeinsam: sich dem stellen, was Aufmerksamkeit braucht

Das Spannende dabei ist, das dies ein Prozess ist, den man nicht nur alleine, sondern auch gemeinsam mit anderen Menschen, also auch in Gruppen oder als Team, durchführen kann. Mit ganz ähnlichen Effekten. 

Man kann auch als Gruppe zusammenkommen, um den Geist zu sammeln. Ganz ohne Gongs und Räucherstäbchen. Einfach nur, um sich zu fokussieren. Um sich gemeinsam zu konzentrieren. 

Man schafft sich einen Raum, wo man für kurze Zeit, uns seien es nur ein paar Minuten, ungestört ist. Möglichst ohne Ablenkung. Und dann stellen wir uns. Wir stellen uns dem, was ist. Wir stellen uns dem, was ist, indem wir uns ein paar grundlegenden Fragen stellen. Fragen, die darauf warten, dass wir ihnen unsere Beachtung, unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken: 

  • Wo befinden wir uns gerade? Wo stehen wir im Moment? 
  • Wie geht es uns als Team, als Gruppe, als Projekt, als Unternehmen, als Gemeinschaft, als Gesellschaft?  
  • In welchem Zustand befinden wir uns? 
  • Warum ist es so, wie es ist? 
  • Was hat uns dorthin geführt, wo wir gerade sind? Welche Einschätzungen, welche Entscheidungen, welche Ereignisse? 
  • Wo wollen wir eigentlich hin? Wo wollten wir eigentlich mal hin?
  • Was können wir aus unseren bisherigen Erfahrungen lernen? 
  • Was funktioniert? Was hat sich bewährt? Was tut uns gut? 
  • Was weniger? Worauf sollten wir besser achten?

Klarheit und Orientierung finden

Indem wir gemeinsam reflektieren, uns gemeinsam fokussieren, können wichtige Lernprozesse stattfinden, und zwar sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene. Sich geistig sammeln und fokussieren zu können, ist eine wichtige Fähigkeit, die uns sowohl als Einzelperson als auch als Gruppe nützen kann. So kann dringend benötigte Klarheit entstehen. So können wir inmitten der Hektik und des Chaos Orientierung finden, Kraft und Entschlossenheit. Vielleicht auch ein bisschen Hoffnung. Und Zuversicht, dass wir in der Lage sind, auch diese Herausforderung, vor der wir gerade stehen, zu meistern. Indem wir zusammenstehen. Zusammenarbeiten. Kooperieren. Unsere Kräfte bündeln. Unsere Talente und Fähigkeiten zusammentun. So wird erstaunliches möglich. Eigentlich nur so.

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